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eBay und ich

Nachfolgend "meine" eBay-Story, die einige ja schon - in Episoden - aus meinem Weblogg "Hotel Falckenstein" kennen. Worum es da geht, hab ich in einem internen Forum des VOV, dem "Virtuellen Ortsverein der SPD" (wo ich Vorsitzende bin, ist ein interner Arbeitskreis beim SPD Parteivorstand für alle Fragen rund um IT) im Sommer mal für die "geneigte Leserschaft" zusammengefasst.

Ich hatte nicht allzu viel Mühe, mittels Rechtsanwalt und SCHUFA herauszufinden, wie einfach Identitätsmissbrauch bei eBay ist. Deshalb bleibe ich dabei, dass eBay hier immer noch eine riesige Sicherheitslücke hat. Die Kosten, die das verursacht, werden zur Zeit auf die Strafverfolgungsbehörden und somit auf uns alle über unsere Steuergelder "umgelegt". Und das finde ich nicht in Ordnung, da bin ich zu sehr Sozialdemokratin, real wie virtuell

----------------------------------------------------------------Veröffentlicht im Virtuellen Ortsverein der SPD am 21. August 2005 auf einer internen Mailingliste

@all

Ok, das ist aber eine etwas längere Geschichte, die ersten Teile sind aus meinem Weblogg "Hotel Falckenstein" übernommen, der Rest aus den Akten und BILD-Frankfurt. Komm leider momentan nicht zum Schreiben im Weblogg, irgendwie zu viel Bundestagswahlkampf-Termine und -Orga.

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1. Teil ebay - Komisches Drama in drei Akten

Kennen Sie eBay? Die im Fernsehen so nett mit "3, 2, 1, meins" werben. Hatte heute ein grandioses deja vu mit dieser Online-Plattform. Warum? Dafür muss ich etwas ausholen und in meine nähere Vergangenheit zurückkehren.

Zum 14. März 2003, einem Freitag. Da begann der erste Akt. Als mich morgens um 7.00 Uhr ein Typ, nennen wir ihn mal Traktor-Peter, ziemlich erbost per Telefon aus dem Bett holte und fragte, wann ich endlich das Geld fürs Motorrad überweisen werde. Nach überraschtem Hin- und Her wurde klar, dass ein Spassvogel mit gefakten Nick und einer E-Mail Adresse bei einem Freemail-Anbieter bei eBay mit meiner Postadresse mitgeboten hatte. Ich war - ohne es auch nur entferntest zu ahnen - über Nacht stolze Besitzerin einer kanariengelben Cagiva Mito 2 geworden. Für satte 3400.- Euro.

Nachdem sich mein Adrenalinpegel wieder im kontrollierten Bereich bewegte, hab ich mich bei eBay per E-Mail über den Identitätsmissbrauch beschwert. Und bin nach Feierabend zur Polizeiwache 5 in der Hanauer Landstrasse gegangen, um auch im realen Leben Anzeige zu erstatten. Die beiden Polizisten dort reagierten echt knuffig und haben mich wie folgt belehrt:

1. Da kein erkennbarer Schaden entstanden sei, könne ich auch keine Anzeige erstatten.

2. Meine Postadresse steht sicher in öffentlichen Verzeichnissen, wie z.B. einem Telefonbuch. Da könne man nix machen oder "Bekommen Sie keine Postwurfsendungen und fragen sich, woher der Ihre Adresse hat?"

3. Eigentlich hätten sie auch nicht wirklich Ahnung von der Materie, da ihre Wache nicht ans Internet angeschlossen sei und ihnen die Erfahrung fehle, ob solche Anzeigen wirklich Sinn machen. Sie seien schon seit fast 30 Jahren hier und würden sicher auch noch den Rest ihrer Dienstzeit ohne diesen elektronischen Kram absitzen.

4. Wenn ich allerdings im hier und jetzt auf die Anzeige bestünde, müssten sie mich mindestens 1 1/2 Stunden vernehmen. Um zu begreifen, worum es sich konkret handelt. Bevor sie ein Protokoll verfassten, was ihr Vorgesetzter nicht verstünde.

5. Noch besser sei allerdings, am nächsten Montag mit der Abteilung Wirtschaftskriminalität im Frankfurter Polizeipräsidium zu telefonieren. Die Kollegen dort könnten sicher besser beurteilen, ob so eine Anzeige angenommen würde.

Zum Abschluss gab es dann den aufmunternden Ratschlag, dass Frauen, die sich in so dubiosen Welten rumtreiben, nicht wirklich wundern müssten, wenn ihnen so was passiert. Hallo? Ist das die Frage: „Wie kurz war gestern abend Ihr Rock, als Sie ins Internet gingen?" Beim Hinausgehen überlege ich, ob ich von der Wache 5 mit meiner Digital nicht mal ein paar hübsche Fotos anfertige und den Laden samt Personal am Wochenende bei eBay zur Versteigerung anbiete. Aus pädagogischen Gründen.

Bei den Websozis bekomme ich Trost. Der Vorschlag, einfach mal auf die Adresse von Roland Koch 20.000 Euro für'n faules Ei zu bieten, erheitert mich. Ich liebe meine virtuelle Welten. Man sollte die Verdienste Roland Kochs für diesen gelungenen Beitrag zum Thema „Innere Sicherheit in Hessen" doch irgendwie angemessen würdigen. Zu dem Zeitpunkt wusste ich allerdings noch nicht, dass die Kriminalitäts-Statistik für Frankfurt Wachstumsraten von 12,5 Prozent für das Jahr 2003 verzeichnen würde. Möcht´ net wissen, wie viele Anzeigen durch kompetentes Polizei-Personal abgewimmelt wurden.

Am 15. März meldet sich dann auch das eBay Germany Team mit salbungsvollen Worten: „Liebes eBay-Mitglied, vielen Dank fuer Ihre Mitteilung. Wir bedauern, erst jetzt auf Ihre Anfrage reagieren zu koennen. Leider verzoegert sich aufgrund einer derzeit hohen Anzahl von Anfragen deren Beantwortung. Bei den Reaktionen auf die schon beantworteten E-Mails haben wir festgestellt, dass sich bei vielen, die sich an uns gewandt hatten, die Beantwortung inzwischen erledigt hat. Sollte die von Ihnen gemeldete Problematik nach wie vor bestehen, moechten wir Sie bitten, uns nochmals eine kurze Mitteilung von Ihrer bei uns registrierten E-Mail-Adresse zu senden. Bitte nutzen Sie dazu die Antwortfunktion Ihres E-Mail-Programmes. Sie können aber auch selbst versuchen, noch einmal Kontakt mit Ihrem Handelspartner aufzunehmen und die Angelegenheit direkt zu klaeren. Hier koennen Sie die Adresse Ihres Handelspartners anfordern: http://blablabla.dll. Fuer den Fall, dass sich die Schwierigkeiten bereits geklaert haben, freuen wir uns fuer Sie und Ihren Handelspartner. Wir hoffen, Sie sehen uns nach, dass wir nicht - wie Sie es von uns gewohnt sind - sofort fuer Sie da waren. Wir wuenschen Ihnen weiterhin viel Spass beim Handel bei eBay und danken herzlich fuer Ihr Verstaendnis. Mit freundlichen Gruessen, Ihr eBay-Sicherheitsteam"

Lustiger Standardtext. Wusste gar nicht, dass eBay so ein relaxtes Verhältnis zum Thema Identitätsmissbrauch pflegt. Vielleicht erledigt sich vieles in diesem Leben einfach durch Aussitzen?

Mein Glaube an den Rechtsstaat wurde am 17. März von der Kripo Frankfurt, Abt. Wirtschaftskriminalität dann doch wieder hergestellt. Ich konnte Anzeige erstatten, sogar per E-Mail. Die Jungs wollten den gesamten Schriftverkehr haben, da es um Betrug und mindestens mal Urkundenfälschung ginge.

Das Ende des ersten Aktes ist dann schnell erzählt. Im Juli 2003 habe ich von der Frankfurter Kripo Post bekommen. Der Typ, der die Cagiva für mich ersteigert hatte, wurde ermittelt. Im Dezember 2003 stellte die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach das Verfahren dann mit der Begründung ein, dass der gegen den Beschuldigten gerichtete Verdacht sich nicht bestätigt habe und kein Geständnis vorliege. Ein Tatnachweis sei unmöglich, weil Tatzeugen oder sonstige eindeutige Beweismittel fehlten.

Ich schenke es mir, Beschwerde einzulegen und denke "Hak´s ab". Denn für "Verlust von Lebensqualität" gibt es keinen Schadensersatz.

2. Teil ebay - to be continued

Es ist Sonntag, der 7. März 2004. Habe gestern zwei wütende Anrufe von eBay Kunden bekommen. Wann ich endlich die Eastpack-Rucksäcke liefere, für die sie gezahlt hätten. Unter der E-Mail Adresse coorale@freemail-Anbieter.de würden Rucksäcke in verschiedenen Farben günstig versteigert. Ich versuche den Leuten klar zu machen, dass mir diese E-Mail Adresse nicht gehört. Und jemand meine Postadresse und meine Identität zu Betrugszwecken bei eBay missbraucht.

Leicht angenervt melde ich den Vorfall bei eBay. Prompt erhalte ich das mir schon bekannte Formblatt "Mitteilung über ein Problem mit dem Schutz von Mitgliedsdaten" verbunden mit der Bitte: „Nennen Sie bei Ihren Anfragen auch immer Ihren Mitgliedsnamen, die der Beteiligten und die Artikelnummer, zu der Sie eine Frage haben. Fuer Ihre Bemuehungen bedanken wir uns recht herzlich. Mit freundlichen Gruessen, eBay-Sicherheit."

Wie schön war es doch früher, zu Beginn des Internets, als man Irritationen problemlos mit Mailbomben ausräumen konnte. Heute ist man leider gezwungen, zivilisierten E-Mail Verkehr zu pflegen. Wo habe ich nur den verflixten E-Mail Schriftverkehr mit eBay vom vergangenen Jahr? Diesmal antwortet eBay prompt: „Hallo, vielen Dank fuer Ihre E-Mail. Wir werden das von Ihnen genannte Mitglied genau ueberpruefen und entsprechende Massnahmen ergreifen. Diese Massnahmen koennen aus einem freundlichen Hinweis (bei augenscheinlichen Missverstaendnissen) ueber eine Verwarnung bis hin zum Ausschluss vom Handel auf eBay bestehen, sind also fuer Aussenstehende nicht immer ersichtlich. Datenschutzrechtliche Bestimmungen verbieten uns, naehere Auskuenfte ueber das Ausmass der ergriffenen Massnahmen zu geben. Die Sicherheit und Verlaesslichkeit bei eBay nehmen wir sehr ernst. Daher ueberpruefen wir unsere Mitglieder regelmaessig und sehr genau. Wir danken Ihnen fuer Ihren Hinweis, weil dadurch Ihr Bemuehen, einen Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit und Transparenz bei eBay zu leisten, zum Ausdruck kommt und wuenschen Ihnen weiterhin viel Spass und Erfolg beim Handeln bei eBay. Mit freundlichen Gruessen, eBay-Sicherheit."

Irgendwie fühle ich mich nicht so wirklich ernst genommen. Ich schreibe der eBay-Sicherheit, dass das ein Skandal ist und ich jetzt rechtliche Schritte einleite. eBay antwortet am nächsten Tag: „Sehr geehrte Frau … Bitte beachten Sie, dass beim Verkauf oder Kauf ueber das Internet Risiken bestehen, die in der Natur des Mediums liegen. Da die Identifizierung von Nutzern im Internet schwierig ist, kann eBay nicht zusichern, dass jeder Nutzer derjenige ist, fuer den er sich ausgibt. Mit freundlichen Gruessen eBay-Sicherheit."

Beruhigend zu wissen, dass eBay weiss, dass es Identitätsmissbrauch im Internet gibt. Nicht gut zu wissen, dass Identitätsmissbrauch bei eBay so easy funktioniert. Seit dem 5.November 2002 geht zwar jede Neuanmeldung bei eBay mit einer Überprüfung der persönlichen Angaben, wie Vor- und Nachnamen, Straße und Hausnummer, Postleitzahl und Ort sowie Geburtsdatum durch die SCHUFA einher. Die geben allerdings keine Auskunft über die Kreditwürdigkeit oder die finanzielle Situation des neuen Mitglieds, sondern bestätigen nur dessen Identität und die Adresse. Wo wohnt eigentlich Roland Koch? Wann der geboren ist und wo er wohnt steht ja im Internet. Und kreditwürdig dürfte der ja wohl noch sein, oder? Ich träume von 100.000 Ostereiern, die bei eBay seiner harren.

Ich geh den Weg, der mir am sinnvollsten erscheint und erstatte am nächsten Morgen Anzeige bei der Kripo Frankfurt, Abt. Wirtschaftskriminalität. Wer hätte je geahnt, dass wir mal dicke Freunde werden.

Zu dem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass am 12. Februar 2004 das Amtsgericht Potsdam unter dem Aktenzeichen 22 C 70/04 in einem ähnlichen Fall eine einstweilige Verfügung gegen eBay erlassen hatte. Darin wurde dem Auktionshaus unter Androhung eines Ordnungsgeldes in Höhe von bis zu Euro 250.000 oder ersatzweise Ordnungshaft von bis zu 6 Monaten für jeden Fall der Zuwiderhandlung verboten, Teilnehmer unter der Identität des Antragstellers zum Handel auf der Internetplattform zu registrieren.

Am nächsten Sonntag, den 14. März, bekomme ich E-Post von eBay: „Hallo Frau … vielen Dank fuer Ihre E-Mail. Wie wir Ihnen bereits mitgeteilt haben, beachten Sie bitte, das bei der Nutzung des Internet Risiken bestehen, die in der Natur des Mediums liegen, solange persoenliche Daten oeffentlich zugaenglich sind (z.B. Telefonbuch). Die Sicherheit und Verlaesslichkeit bei eBay nehmen wir aber sehr ernst. Daher ueberpruefen wir unsere Mitglieder regelmaessig und sehr genau. Falls es notwendig sein sollte, dass bzgl. Ihres Anliegens polizeiliche Ermittlungen vorgenommen werden, wird eBay mit den Polizeibehoerden zusammenarbeiten und diese bei ihren Ermittlungen unterstuetzen. Wir werden gern und jederzeit auf Ihre Anfrage hin ueberpruefen, ob eine erneute Anmeldung mit Ihren Adressdaten erfolgt ist. Bitte haben Sie Verstaendnis dafuer, dass wir keine individuelle Rechtsberatung durchfuehren duerfen, da die gesetzlichen Bestimmungen dieses nicht gestatten. Dazu muessten Sie sich gegebenenfalls an einen Rechtsanwalt oder auch an eine Rechtsberatungsstelle wenden. Wir wuenschen Ihnen noch einen schoenen Sonntag. Mit freundlichen Gruessen eBay-Sicherheit."

Ich hab damals nen dicken Hals bekommen. Und das lag sicher nicht an der fetten Bronchitis, mit der ich mich seit einigen Tagen rumplagte. eBay ist ne echte Tralala-Truppe.

Im Mai 2004 rief mich die Kripo Frankfurt an. Auf die Jungs ist echt voll Verlass. Der Typ, der freundlicherweise Rucksäcke für mich versteigert hat, wurde ermittelt. Da er in Bayern wohnt, wurde der Fall am 18. Mai 2004 an die Kripo Regensburg überwiesen. Damit, so dachte ich in meiner Naivität, hätte sich der Fall endgültig erledigt.

Doch so einfach entkommt man eBay nicht.

3. Teil ebay - ending a never ending story

3,2,1, und nicht mehr meins. Hab heute Post von nem Inkasso Unternehmen bekommen. eBay hätte gerne die Kosten, die coorale@freemail-Anbieter.de beim Verkauf der Rucksäcke verursacht hat, erstattet bekommen. Und an wen wendet sich das Inkasso-Unternehmen? Ist doch klar: an denjenigen, den eBay als Postadresse hat.

Der Spaß beläuft sich 122,05 Euro. Dass ich kreditwürdig bin, weiss eBay von der SCHUFA. Die haben laut mir vorliegendem Auszug am 11. September 2003, am 4. Februar 2004 und am 24. Februar 2004 meine Identität auf Anfrage von eBay bestätigt. Das ist mir ne tolle Sicherheits-Truppe, die dreimal die gleiche Prüfung durchlaufen lässt ohne was zu merken.

Seufzend schreib ich ne E-Mail an eBay. Pro forma. Dass meine persönlichen Daten nun schon zum dritten Mal bei eBay missbraucht wurden. Und bekomme drei Tage später einen Fragebogen zurück. Ich werd´ die Truppe für den nächsten Comic-Award im Web vorschlagen.

Da Inkasso-Unternehmen aber eher selten Spaß verstehen, nehme ich mir jetzt doch einen Anwalt. Wer sagt eigentlich, dass man in Deutschland nicht auf entgangene Lebensqualität klagen kann, nur weil die größte Online-Plattform mega-schlampig mit Daten arbeitet?

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4. Teil (Freitag, 8. Oktober 2004)

Nachtrag: Hab seit heute morgen nen Anwalt und ein Fax der Kripo Regensburg. Der Fall liegt bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg. Wird irgendwann entschieden. Leider hat eBay den Account von dem Typ von März 2004 (seit meiner Meldung an die eBay Sicherheit) bis Juni 2004 nicht gelöscht, der konnte nach meiner Anzeige munter weiter steigern, unter neuen Konten versteht sich.

Als ich abends nach Hause komme, habe ich gleich zweimal e-Post von eBay. Einmal von der eBay Sicherheit. Und die zweite E-Mail ist von der Abteilung "Customer Convenience" mit einem Fragebogen zur Kundenzufriedenheit:

Liebes Mitglied der eBay-Gemeinschaft,

Sie sind vor kurzem mit uns in Kontakt getreten. Da eBay darum bemueht ist, seinen Service kontinuierlich zu verbessern, moechten wir gerne wissen, ob unsere Antwort fuer Sie zufrieden stellend war. Wuerden Sie sich ein paar Minuten Zeit nehmen, um uns das mitzuteilen? [Link] Um unseren Fragebogen zu beantworten, klicken Sie bitte auf den obigen Link. Falls Sie dadurch nicht direkt zur Webseite gebracht werden, kopieren Sie bitte den gesamten Link und fuegen ihn im Adressfeld Ihres Browsers ein. Wenn Sie an dieser Umfrage anonym teilnehmen wollen, dann klicken Sie bitte auf den folgenden Link. DIESE EINLADUNG GILT FUER DIE NAECHSTEN 5 TAGE. Vielen Dank fuer Ihre Hilfe! **Eine wichtige Anmerkung der beauftragten Firma** Um Ihre in dieser Zufriedenheitsbefragung gemachten Angaben auswerten zu koennen, benoetigen wir, Benchmark Portal, Ihre persoenlichen Daten. Ihre Daten werden zu dem Zweck benutzt, unserem Kunden eBay zu ermoeglichen einzelne Funktionen der eBay-Seite zusammen mit dem eBay-Serviceangebot auf die individuellen Wuensche seiner Mitglieder bestmoeglich anzupassen. Wir haben alle notwendigen Schritte unternommen, um sicherzustellen, dass alle laenderspezifischen Datenschutzbestimmungen inklusive der EU Datenschutzrichtlinie eingehalten werden. Mit Ihrer Zustimmung erlauben Sie uns Ihre Daten zu erheben, verarbeiten, auf sie zuzugreifen und/oder auf eine Datenbank in Santa Maria, Kalifornien (USA) sowie an eBay zu uebermitteln. Auf diese Datenbank werden weltweit ausgewaehlte Mitarbeiter von Benchmark Portal und unser Kunde eBay Zugriff haben. Alle Personen, die Zugriffsrechte auf diese Datenbank haben, sind sowohl datenschutzrechtlich als auch im Umgang mit personenbezogenen Daten geschult und haben eine Erklaerung unterschrieben, die sie zur Verschwiegenheit ueber die zu ihrer Kenntnis gelangten personenbezogenen Daten verpflichtet. Darueberhinaus beinhaltet Ihre Zustimmung, dass eBay per eMail mit Ihnen Kontakt aufnehmen darf, um auf Ihre Anregungen zu antworten oder Nachfragen hierzu zu stellen. Diese Zufriedenheitsbefragung wird von Benchmark Portal im Auftrag von unserem Kunden eBay durchgefuehrt. Ohne Ihre ausdrueckliche Zustimmung werden wir Ihre personenbezogenen Daten NICHT an Dritte weitergeben. Fuer weitere Informationen ueber unsere ausfuehrlichen weltweiten Datenschutzgrundsaetze, die Ihnen in englischer Sprache zur Verfuegung stehen, klicken Sie bitte hier: http://ebay.benchmarkportal.com/bmp_survey_priv.pdf. Wenn Sie sich fuer die Datenschutzbestimmungen, die eBay fuer seinen deutschen Internetmarktplatz bereithaelt interessieren, klicken Sie bitte hier: http://pages.ebay.de/help/community/png-priv.html . Falls Sie in der Zukunft nicht an Befragungen dieser Art teilnehmen moechten, klicken Sie bitte auf den folgenden Link: [Link]

*seufz, das mit der Kundenzufriedenheit hab ich mir an dem Tag nicht mehr gegeben. Ich wollt nicht wirklich unhöflich werden.

Von der eBay-Sicherheit kam folgende Info (wobei die Frist vom Inkasso-Unternehmen schon abgelaufen war. Eilig hat es eBay nicht):

Sehr geehrte Frau Tursky-Hartmann!
Vielen Dank fuer Ihre E-Mail. Wir bedauern sehr, dass Ihre Daten faelschlicherweise fuer eine Anmeldung benutzt wurden. Um weitere Massnahmen einleiten zu koennen, bitten wir Sie, uns ein zweiseitiges Fax an folgende Faxnummer zu senden: (0 30) 80 19 63 53 . Fuer die erste Faxseite empfehlen wir Ihnen, diese E-Mail auszudrucken und folgende Angaben zu machen.

1) Betreff: Datenmissbrauch

2) Angaben (sofern bekannt) ueber das Mitgliedskonto, bei dem Ihre Daten missbraeuchlich genutzt wurden.

- E-Mail-Adresse des Mitgliedskontos

- Mitgliedsname

- Wie haben Sie von diesem Mitgliedskonto erfahren?

- Sonstige Hinweise zu diesem Mitgliedskonto

3) Nutzen Sie selbst auch ein Mitgliedskonto bei eBay? Wie lautet der Mitgliedsname?

- Mitgliedskonto:

- evtl. weitere Mitgliedskonten:

4) Wie koennen wir Sie bei Rueckfragen erreichen?

- E-Mail-Adresse:

- Telefonnummer (Tagsueber erreichbar):

- Faxnummer:

Auf der zweiten Faxseite benoetigen wir auf jeden Fall eine Kopie der

Vorder- und Rueckseite Ihres Personalausweises (beidseitig lesbar).

Wenn Sie Ihren Wohnsitz in Oesterreich oder in der Schweiz haben, bitten wir Sie, uns ein Kopie des Reisepasses und der Meldebestaetigung per Fax zu schicken. Sobald wir Ihre Unterlagen erhalten haben, werden wir das Mitgliedskonto vom Handel bei eBay ausschliessen und uns erneut mit Ihnen in Verbindung setzen. Vielen Dank fuer Ihre Mithilfe. Mit freundlichen Gruessen. A. Hoffmann. eBay - Sicherheit

Ich wähle lieber den bewährten Weg, erstatte in Frankfurt bei der Abteilung Computerkriminalität Anzeige (wir sind mittlerweile irgendwie schon Freunde geworden, die haben von 1 auf 3 Mitarbeiter aufgestockt). Und schreibe die Schufa an, mir Auskunft zu geben, wer von mir Auskünfte eingeholt hat. Nach einer Woche weiß ich, dass eBay dreimal meine Identität geprüft hat (neben meiner eigenen Anmeldung also drei Konten existieren). Super, zwei von drei Benutzern kenne ich mittlerweile.

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5. Teil (Donnerstag, 9. Dezember 2004)
eBay wird Duldung von Identitätsklau verboten

Hatte ja im Oktober über meine Geschichte mit eBay und dem Identitätsklau in drei Akten hier geschrieben.
ebay - Komisches Drama in drei Akten
ebay - to be continued
ebay - ending a never ending story

Anscheinend gibt es jetzt wieder Bewegung, denn heise.de hat gestern berichtet, dass ein Gericht eBay verbietet, Identitätsklau zu dulden. Ihr könnt gar nicht glauben, wie ich mich über dieses Urteil gefreut habe.

6. Teil: Januar bis Mai 2005

Der weniger erfreuliche Teil. Ich bekomme die Kosten von eBay für meinen Anwalt, um aus dem Inkasso-Verfahren raus zu kommen, von eBay nicht ersetzt. Dafür zwei Briefe, mit Vorwürfen, völlig überzogen reagiert zu haben. Das Einschalten eines Anwalts sei überflüssig, die Kosten werden deshalb nicht erstattet.

Was so natürlich nicht ganz stimmt, aus dem Inkasso-Verfahren kommt man leider nur mit Anwalt wieder zügig raus (ich hab nen Arbeitgeber, der braucht keine Mitarbeiter, die sich mit Inkasso-Unternehmen rumschlagen). Und für Akteneinsicht (denn ich wollte wissen, worum es ging) brauchte ich nen Anwalt. Das bestätigt mir auch die Staatsanwältin in Nürnberg, die den Fall bearbeitete und mir als Privatperson nichts sagen durfte. Aber sie meinte, es lohne sich, ich sollte mal Akteneinsicht beantragen. Mein Anwalt war nicht so optimistisch, dass wir da weiterkommen, und will die 45 Euro im Mai abschreiben. Ich nicht. Wir haben dann noch mal für knapp 12 Euro Akteneinsicht beantragt.

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7. Teil (10. Juni 2005)

Ich hab´ seit heute Akteneinsicht in Fall "coorale" und bin erstmal fassungslos. Es geht um Markenpiraterie, im sechstelligen Euro-Bereich. Vom Frühjahr 2002 bis Juni 2004. Und stelle fest, dass ich gemeinsam auf ner illustren Namensliste stehe. Viele führende Sportartikelhersteller, Fussballverbände und -Vereinen sind betroffen. Anscheinend bin ich die einzige Privatperson, die in dem ganzen Identitäts-Gau von eBay (außer den geschädigten Unternehmen) Strafantrag wegen Identitätsmissbrauch gestellt hat. Viele haben gar nicht gemerkt, dass über sie Waren vertickt wurden. Wenn alles glatt läuft, merkt man es nämlich gar nicht. Und Kontoinhaber bei eBay braucht man auch nicht sein, das hat damit gar nichts zu tun.

eBay hat mir also die Inkasso-Mahnung im Oktober 2004 zugeschickt, wohl wissend, dass die Staatsanwaltschaft in Sachen "coraale" seit Juni 2004 ermittelte (denn sie haben im September 2004 die komplette "Handelsakte" an die Staatsanwaltschaft Nürnberg übergeben).

Ich hab´ abends ne Einladung in Frankfurt zum BILD-Stammtisch und erzähl die Story. Der Chefredakteur von BILD-Frankfurt findet die story interessant, einer der Redakteure soll die nächsten Tage mal bei eBay anrufen, um nachzuhaken.

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8. Teil (2. Juli 2005)

Gestern hat Kolja, der Frankfurter BILD-Redakteur, endlich die Pressesprecherin von eBay am Telefon wegen Identitätsmissbrauch. Frau Fuest erklärt ihm, der Fall sei doch längst erledigt, eBay hätte keine Inkassoforderungen mehr an mich. Als Kolja ihr dann etwas detaillierter erzählt, worum es konkret gehe, bat sie drum, das ich ihr nochmals alle meine E-Mails zur Verfügung zu stellen. Laut eBay-Support liege nichts mehr vor, der Fall sei geklärt. Cool, so mach ich das in Zukunft auch. Einfach abwarten, bis sich niemand mehr beschwert, dann schnell die Akten löschen und alles ist paletti.

9. Teil  14. Juli 2005

Ich bekomme mal wieder Post von der eBay Sicherheit:
From: derswebhelp@ebay.de [
mailto:derswebhelp@ebay.de]
Sent: Thursday, July 14, 2005 10:10 AM
To: tursky-hartmann add t-online.de
Subject: Ausschluss vom Handel bei eBay

Hallo "petra****" (tursky-hartmann add t-online.de),

wir bedauern Ihnen mitteilen zu muessen, dass wir Ihren eBay-Account sperren mussten. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass es Ihnen waehrend dieser Sperrung untersagt ist, unser System in irgendeiner Hinsicht zu nutzen. Das schliesst auch eine Neuanmeldung unter einem anderem Namen ein. Jeglicher Versuch sich erneut anzumelden kann dazu fuehren, dass Ihr Account unwiderruflich gesperrt bleibt. Diese Sperrung entbindet Sie nicht von der Verpflichtung, noch offene Gebuehren an eBay zu bezahlen. Wir machen Sie darauf aufmerksam, dass wir bei Nichtzahlung unseren Anwalt mit dem Einzug dieser Forderung beauftragen werden. Dabei werden fuer Sie zusaetzliche Gebuehren anfallen. Mit freundlichen Gruessen, Ihr eBay Sicherheits-Team

Hat sich da jemand geärgert? Ich leite die Mail an Kolja von BILD und die eBay Pressesprecherin weiter. 5 Tage später ist mein eBay Konto wieder entsperrt. War irgendwie nur ein Missverständnis und gibt ne Entschuldigung. Das Sicherheits-Team hätte beim Sperren meiner drei "geklauten" Konten übersehen, dass sie en passant mein rechtmäßiges Mitgliedskonto bei eBay mit "getötet" haben.

10. Teil und Ende der Geschichte

eBay teilt mir am 19. Juli mit, dass sie die Kosten für meinen Anwalt übernehmen. Ende Juli erhalte ich Post von der eBay-Datensicherheit, dass meine eigene Recherche bei der Schufa und die Vermutung, dass drei Konten (neben meinem eigenen) existieren müssten, stimmen. Was für Transfers über das dritte Konto gelaufen sind, wird umgehend geprüft, wenn ich Anzeige stelle. Ich hab mal die Abteilung Computerkriminalität in Frankfurt angerufen (die sind jetzt zu fünft), da würde ich die Reaktion mit "großer Heiterkeit" umschreiben. Ich bekomme die Bitte mit, doch mal politisch aktiv zu werden, um diesen virtuellen Sumpf etwas auszutrocknen. Irgendwie nerven die vielen Anzeigen.

Am 14. August erscheint in BILD-Frankfurt dann meine eBay-Story:

Frankfurter SPD-Politikerin von Ebay-Gangstern betrogen

Von KOLJA GÄRTNER

Erst riefen nur empörte Käufer an, die endliche ihre bestellte Ware wollten, dann drohte ihr ein Inkasso-Büro: Ganoven meldeten sich mit den Daten von Petra Tursky-Hartmann bei Ebay an, bereiteten der SPD-Politikerin Riesen-Ärger. Es begann im März 2003. Da erfuhr die 45jährige, dass sie bei dem Internet-Auktionshaus ein Motorrad ersteigert haben soll. "3490 Euro sollte ich für eine Cagiva zahlen, die ein `onkelkasef´ ersteigerte. Er war unter meinem Namen registriert." Nach einigem Hin- und Her ist die Sache geklärt. Ein Jahr später wird Tursky-Hartmann die Identität wieder geklaut. Von einem „coorale". Der verkauft für zehntausende Euro gefälschte Markenartikel über Ebay, ist inzwischen ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Geprellte Käufer lassen ihre Wut an der Sachsenhäuserin aus - und Ebay versucht per Inkassobüro, von "coorale" verursachte Gebühren (122,05 Euro) einzutreiben. Wieder endloser Email-Wechsel. Dann sperrte Ebay Tursky-Hartmanns echten Account (Zugang), drohte mit Strafe, falls sie die Plattform weiter nutze. Erst als BILD sich jetzt einschaltete, klärte sich die Sache: Tursky-Hartmann darf wieder ihren Ebay-Account nutzen - und muß die 122,05 Euro nicht zahlen. Ebay-Sprecherin Maike Fuest: "Wir bitten für die Umständlichkeiten um Entschuldigung."

Ich hab eBay letzte Woche dann mitgeteilt, dass ich das Problem des Identitätsmissbrauchs im Rahmen eines Gesprächs als Vorsitzende des VOV (die haben sich niemals meine Homepage angekuckt, die ich als Signatur immer mitschicke, dann hätten sie vielleicht nicht so flapsig geantwortet) der Justizministerin schildern werde. Und auch darauf dränge, dass eBay schleunigst etwas unternehmen muss, um dieses wahnsinnige Sicherheitsloch zu schließen. Gab mittlerweile auch ein recht vernünftiges Telefonat mit einem Juristen von eBay. Der hat gar nix mehr abgestritten, sondern alles bestätigt, was passiert ist und dass ich in allen Punkten seit zwei Jahren Recht habe.

Worauf ich keine Antwort habe, ist die Frage, warum sich solche Kriminellen ausgerechnet mich ausgesucht haben. (ich muss an dieser Stelle mal meinen Vorstandsmitgliedern, einigen Websozis und auch 2 Technikern bei der Claranet "danke" sagen, weil sie mir immer wieder erklärt haben, was da in den virtuellen Welten passiert ist und mir Mut gemacht haben, dran zu bleiben). Aber vielleicht ist das ja das Gute an der ganzen Geschichte, dass es die Vorsitzende der IT-Experten der SPD erwischt hat.

eBay hat meines Erachtens nach nicht nur ein riesiges Sicherheitsproblem, sondern so langsam auch ein riesiges Image-Problem. Wenn sie ihr Identitätsproblem weiter schönreden. Denn wenn sich das rumspricht, geht das Vertrauen in die virtuelle Handelsplattform flöten. Besonders wenn die Leute erfahren, dass man noch nicht mal Mitglied bei eBay sein muss, und trotzdem ein Opfer für Identitätsmissbrauch sein kann.

Und ein Unternehmen, das im 2. Quartal 2005 über 10 MRD US-Dollars Umsatz und 300 Mio US Dollars Gewinn gemacht hat, das sollte mal ein paar Euronen in ein intelligenteres Sicherheitssystem investieren, oder? Ich mag es nicht, wenn Gewinne nur für Aktionäre privatisiert und Verluste (die Kosten für Polizei und Behörden z.B.) über unseren Staat sozialisiert werden.

Das war meine eBay-Geschichte. Schadensersatz für "entgangene Lebensqualität" gibt es in Deutschland leider nicht. Sonst hätte ich mit meinen Mitstreitern in den Virtuellen Welten mal einen drauf gemacht.

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